An diesem Tag
12.10.1990: Attentat auf Wolfgang Schäuble


Deutschland/Geschichte

Am 12. Oktober 1990 streckte der 36-jährige Dieter Kaufmann den damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble mit zwei Revolver-Schüssen in Kopf und Rücken nieder. Kaufmann wurde in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

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Schäuble Attentat Kaufmann
„Wolfgang Schäuble, Karlspreis, 2012, 2“ von EukuEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

An diesem Tag im Jahr 1990 wurde der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble während einer Wahlkampfveranstaltung vor 250 Zuschauern in Oppenau von einem Einzeltäter namens Dieter Kaufmann niedergeschossen und schwer verletzt. Er überlebte das Attentat, sitzt jedoch seither im Rollstuhl.

Der damals 36-jährige Attentäter wohnte der Veranstaltung etwa 1,5 Stunden lang bei, wartete den passenden Moment ab und feuerte aus nächster Nähe drei Schüsse aus einem Trommelrevolver auf Schäuble ab.

Das Attentat

Der erste Schuss ging in den Kopf und zertrümmerte Schäubles Kiefer, der zweite Schuss traf ihn an der Wirbelsäule, was die Querschnittslähmung verursachte, der dritte Schuss wurde von Schäubles Leibwächter Klaus-Dieter Michalsky abgefangen, welcher sich todesmutig zwischen Kaufmann und Schäuble warf.

Als Motiv für die Tat gab der Attentäter an, vom Staat terrorisiert zu werden. Und Wolfgang Schäuble, den man damals hinter Helmut Kohl als Nr. 2 in der deutschen Politik handelte, repräsentiere diesen Staat.

Zudem fühle er sich von Schäuble persönlich bedroht und verfolgt. Er erstattete auch Strafanzeige gegen Bundeskanzler Helmut Kohl, was jedoch erfolglos blieb. Nach dem Attentat bescheinigte man ihm eine „paranoide halluzinogene Schizophrenie“. Aus diesem Grund wurde er für schuldunfähig befunden und auf unbestimmte Zeit in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

Kaufmann stammt aus dem badischen Appenweier, wo sein Vater seinerzeit als Bürgermeister amtierte. Er bereiste vor dem Attentat den Nahen Osten, Nordafrika und Afghanistan. Aufgrund eines Cannabis-Delikts wurde er verhaftet und im Gefängnis über fünf Jahre lang gegen seinen Willen mit Medikamenten ruhig gestellt.

Kaufmann forderte den Grünenpolitiker Otto Schily und Amnesty International in einem Schreiben auf, „etwas gegen diesen Staat zu unternehmen, der über Radio und Fernsehen direkt in die Gehirne seiner Bewohner eingreift und dadurch entsetzliche Schmerzen, quälende Bilder und sexuelle Erregung erzeugt.“

Als Bundesinnenminister war Schäuble eine der höchsten Instanzen im deutschen Rechtssystem. Zudem lief im Jahr 1990 gerade die Kampagne „Keine Macht den Drogen“ an, womit Schäuble im Zuge nationalen Rauschgiftbekämpfungsplanes ein rigoroses Vorgehen gegen Cannabis-Konsumenten rechtfertigte.

Vor Gericht sagte Kaufmann: „Wenn der Kanzler da gewesen wäre, hätten alle beide einen Kopfschuss gekriegt.“ Fünf Jahre später entschuldigte er sich schriftlich bei Wolfgang Schäuble. Schäuble bezeichnete ihn in einer Stellungnahme als „Psychopathen“, für den er „nicht allzu viel Mitleid“ übrig habe.

Keine Spur von Kaufmann

Im Februar 2004 wurde Kaufmann aus der geschlossenen Anstalt in ein überwachtes Wohnen entlassen, heißt es. Seither verlaufen alle Spuren zu Kaufmann im Sande. Jedenfalls meldete dies das Magazin Themanews.com im August 2015 in einem Artikel mit der Überschrift „Wer ist Dieter Kaufmann? Schäuble-Attentäter ist verschollen.“

Die letzten Lebenszeichen seien besagte Entschuldigungen im Jahr 1995 gewesen. Nach seiner Entlassung im Jahr 2004 seien sämtliche Spuren von ihm verschwunden. Das einzige Anzeichen dafür, dass Kaufmann jemals existiert hat, seien Schäubles an den Rollstuhl gefesselte Beine.

Quellenangaben anzeigen
abendblatt, berlinerzeitung, themanews


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