09.01.1962: USA setzen erstmals Agent Orange in Vietnam ein


Geschichte/USA/Vietnam

An diesem Tag im Jahr 1962 setzte die US Army erstmals das Entlaubungsmittel Agent Orange als Chemiewaffe (Giftgas) gegen Vietnam ein. Bis heute leiden die Vietnamesen unter den Folgen der jahrelangen US-Chemiewaffeneinsätze.

Agent Orange
Agent Orange, by USAF – National Museum of the U.S. Air Force photo 071002-F-1234P-022, Public Domain, Link

Im Jahr 1960 lag die Anzahl der US-Truppen in Vietnam bei 900, ein Jahr später bereits bei 3.200. Egal nach welcher Taktik das Pentagon handelte, die vietnamesischen „Aufständischen“ konnten anscheinend nicht besiegt werden, schreibt Moral Low Ground. Die Vietnamesen hatten in den Jahrzehnten vor der US-Invasion bereits gegen Invasionen der Franzosen und der Japaner erheblichen Widerstand geleistet und waren entsprechend kampferprobt.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Im Jahr 1954 war Vietnam endlich frei von fremder Besatzung. Doch war das Land zwischen dem kommunistischen Norden und dem autokratischen aber kapitalistischen Süden geteilt. Bevor die Vietnamesen ihre hart erkämpfte Freiheit genießen konnten, schickte das amerikanische Militär „Berater“ in den Süden und intervenierte in den Konflikt. Die südvietnamesische Regierung galt als brutale Marionette der Amerikaner.

Die Kommunisten gewannen bis in die 1960er deutlich an Boden. Die Kennedy-Regierung entsandte weitere „Berater“, im Jahr 1962 waren es bereits über 11.000 davon. Dies führte letztendlich nicht zu einer Befriedung, sondern zu einer Eskalation und heizte den Konflikt noch weiter an. Die Menschen begannen ein weiteres Mal, sich gegen ausländische Aggressoren zur Wehr zu setzen. Neue Taktiken waren nötig, um den wachsenden „Aufstand“ zu bekämpfen.

John F. Kennedy genehmigt den Einsatz von Agent Orange

Zu diesem Zweck genehmigte Präsident Kennedy, chemische Waffen in Vietnam einzusetzen. So wurden etwa viele Dörfer mit Napalm bombardiert. Amerikanische Flugzeuge begannen im Zuge der Operation Ranch Hand damit, auch giftige Herbizide – Agent Orange – über den Regenwäldern Südvietnams zu versprühen. So sollten die Bäume entlaubt und Guerillas aufgespürt werden. Agent Orange erhielt seinen Namen, weil es in Fässern geliefert und mit einem orangefarbenen Streifen versehen wurde.

Am 09. Januar 1962 wurde es erstmals eingesetzt und brachte Tod und Zerstörung. In den folgenden neun Jahren versprühten die USA zwischen 35 und 50 Millionen Liter des Gifts und viele Millionen Liter weitere chlorhaltige Herbizide (Agent Blue, White, Pink, Green) – insgesamt 72 Millionen Liter – auf einer Fläche von 22.300 Quadratkilometern über der südvietnamesischen Landschaft. Die dort lebenden Menschen galten zwar als Verbündete, doch handelten die USA durch die Bombardierung wie eine feindliche Armee.

Agent Orange enthält TCDD Dioxin, eine der giftigsten Chemikalien überhaupt. Bereits ein Millionstel Gramm davon wirkt für den Menschen tödlich. Hunderte Kilogramm davon wurden über den Köpfen der Menschen versprüht und kontaminierten riesige Teile des Landes nachhaltig.

Schadenspotential war im Vorfeld bekannt

Schwere Geburtsfehler und Fehlbildungen, eine breite Palette an verschiedenen Krebserkrankungen, Störungen der Herz-Kreislaufs- und den Atmungssystems, Haut- und Stoffwechselerkrankungen und viele weitere Beschwerden waren die Folge. Zwar wusste die US-Regierung von den Risiken eines Einsatzes dieser extrem toxischen Chemikalie, dennoch entschied sich die Kennedy-Regierung für den jahrelangen Chemiewaffeneinsatz gegen die „Gooks“ (extrem abwertende Bezeichnung für Ost- und Südostasiaten).

Dr. James R. Lehm, ehemaliger leitender Forscher der Chemiewaffenabteilung der US Air Force in Florida, sagte: „Als wir das Herbizid-Programm in den 1960er Jahren begannen, war uns das Schadenspotential bereits durch die Dioxinkontamination bekannt … Da das Material jedoch gegen unseren Feind eingesetzt wurde, war keine von uns übermäßig besorgt.“ Hersteller von Agent Orange war Dow Chemical, gemeinsam mit Monsanto, Diamond Shamrock, Hercules, Uniroyal, Thomson Chemicals und anderen.

Während eines Meetings in der Firmenzentrale von Dow Chemical im Jahr 1965 wurde vor der viel zu hohen Toxizität von Agent Orange gewarnt, dennoch wurde die Chemikalie weiter unverdünnt eingesetzt. Die Auswirkungen waren für die Vietnamesen absolut verheerend. Nach Angaben des Congressional Research Service waren den US-Chemiewaffenangriffen rund 4,8 Millionen Menschen ausgesetzt.

Folgen für Mensch und Natur

Etwa 50.000 Babies aus drei Generationen wurden mit schrecklichen Missbildungen geboren, nachdem ihre Eltern das Gift über Nahrung und Wasser aufgenommen hatten. Agent Orange verunreinigt das vietnamesische Grundwasser bis heute, wodurch 800.000 Menschen zu ständiger medizinischer Versorgung gezwungen werden. Drei Millionen Menschen leiden nach wie vor an fürchterlichen Haut- und anderen Erkrankungen, auch zehntausende US-Soldaten wurden dem Gift ausgesetzt. Diese weisen ähnliche gesundheitliche Probleme auf, wie ihre vietnamesischen Opfer.

Mindestens fünf Millionen Hektar Wald (eine Fläche größer als Niedersachsen) und 500.000 Hektar Ackerland wurden komplett zerstört. Laut Greenpeace sind 16 Prozent der gesamten Landfläche Vietnams kontaminiert. Es wird noch Jahrhunderte dauern, bis die Gifte abgebaut sind. Fische und Wildtiere wurden in ihrem Bestand stark dezimiert und sind krank. Die Ernte einiger Reisfelder ist ungenießbar, wird aber mangels Alternativen häufig dennoch verzehrt.

Reis ist desweiteren ein Exportgut Vietnams, weshalb das Land auch extreme wirtschaftliche Schäden zu tragen hatte und hat. Rund 10 Prozent aller besprühten Bäume starben ab, das Waldsterben erhöhte sich in betroffenen Bereichen um 50 bis 80 Prozent. Zudem existieren zahllose Bombenkrater, die sich mit Regenwasser gefüllt haben und Malaria-Mücken als Brutstätten dienen. Der Ökokreislauf weiter Teile Vietnams wurde durch Washingtons Chemiekrieg nachhaltig zerstört.

Entschädigungen

Reparationszahlungen wurden bis heute keine an Vietnam geleistet. Kein einziges vietnamesisches Opfer der amerikanischen Chemiewaffenangriffe erhielt eine Entschädigung. Dies ist umso mehr beschämend, da die US-Regierung im Jahr 1973 im Zuge des Pariser Abkommens eine Entschädigung in Höhe von 3,25 Milliarden Dollar zusagte. Eine weitere Summe in Höhe von 1,5 Milliarden wurde später ebenfalls versprochen. Die Vietnamesen sahen davon jedoch keinen einzigen Penny.

Im Jahr 2015 rief die (1961 von John F. Kennedy gegründete) US-Behörde USAID einige neue Projekte ins Leben, unter anderem die Förderung von Menschen mit Behinderungen in Vietnam. Allerdings werden diese Behinderungen mit keinem Wort mit Agent Orange in Verbindung gebracht. USAID ist bekanntermaßen nicht nur eine Hilfs-, sondern auch eine Spionageorganisation, die deshalb bereits aus zahlreichen Ländern ausgewiesen wurde. Darunter Russland, Bolivien, Kuba, Ecuador, der Dominikanischen Republik, Nicaragua oder Venezuela.

Quellenangaben anzeigen
moral low ground, greenpeace, usaid, DoVA, talkvietnam


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