25.12.1979: Sowjetuntion interveniert in Afghanistan

Was für die Sowjetunion mit einer Intervention begann, um die regierende Partei In Kabul „in Ordnung zu bringen“, schaukelte sich zu einem totalen Stellvertreterkrieg hoch, der Millionen Menschen das Leben kostete. Nicht zuletzt aufgrund des beherzten Eingreifens der USA, welche die radikalsten Mächte in Afghanistan bewaffneten und finanziell unterstützten, um der Sowjetunion ihr „Sovietnam“ zu bescheren. Letztendlich führte dies zum Aufstieg der Taliban.

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Mi-24 Desert Rescue“ von Camera Operator: MSGT STEVEN TURNER – Transferred from English Wikipedia http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Mi-24_Desert_Rescue.jpgSOURCE: http://www.dodmedia.osd.mil/Assets/2001/Air_Force/DF-SD-01-01094.JPEG>. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Die Sowjetunion kämpfte etwa zehn Jahre lang gegen den politischen Widerstand in Afghanistan. Bis heute sind die Folgen dieses absurden Krieges in Afghanistan und im Rest der Welt spürbar. Im Vorfeld des Krieges waren Afghanistan und die Sowjetunion verbündete. Bereits im Jahr 1919 hatte die Sowjetunion als erste Großmacht den Staat Afghanistan anerkannt. Im Gegenzug erkannte Afghanistan zwei Jahre später die Sowjetunion als Staat an.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind gut. Für die Sowjetunion hatte das taktische Hintergründe. Afghanistan diente Moskau als Pufferstaat zwischen den eigenen Staatsgrenzen und dem Block China, Indien, Iran und Pakistan. Noch in den 1970er Jahren war Afghanistan unter Präsident Mohammed Daoud Khan eine Republik. Aus Sicht Kabuls war die Sowjetunion als größter Wirtschaftspartner von enormer Bedeutung. Zudem gab die Sowjetunion dem Land Entwicklungshilfe.

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Demokratische Volkspartei Afghanistans

Am 27. April 1978 brach im Land das Chaos aus, als die kommunistische „Demokratische Volkspartei Afghanistans“ im Zuge eines politischen Staatsstreichs in Kabul an die Macht kamen. Allerdings war Afghanistans Bevölkerung überhaupt nicht dafür bereit, von Kommunisten regiert zu werden, obwohl die Partei zahlreiche Anhänger hatte. Die Sowjetunion war an dem Putsch nicht beteiligt und zeigte sich empört.

Der Kreml wartete Monate mit der Anerkennung der neuen Regierung in Kabul. Letztlich wurde ein Freundschaftsvertrag zwischen beiden Staaten geschlossen. Die Kommunisten wälzten die Gesellschaft Afghanistans jedoch in höherem Maße um, als zunächst angenommen. Sie versuchten die feudalistische Gesellschaft in ein sozialistisches System zu ändern, wofür der gesamte Agrarsektor des Landes reformiert werden musste.

Die alten Traditionen der afghanischen Landwirte wurden radikal entfernt, was für enormen Widerstand sorgte und darum nicht durchsetzbar war. Auch das Schulwesen musste reformiert werden, was ebenfalls scheiterte. So wurden von nun an auch Mädchen schulpflichtig, was gegen die Vorsätze der religiösen Tradition des Landes verstieß. Die Kommunisten attackierten die Religionsführer, warfen sie in Gefängnisse, behandelten sie respektlos, töteten sie oder bestraften sie hart.

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Kabul bittet Moskau um Unterstützung

Im Nachbarland Iran fand zu dieser Zeit ebenfalls eine Revolution statt, als Chomeini das US-unterstützte Schah-Regime stürzte und die Islamische Republik ausrief. Ähnliche Bestrebungen gab es auch in Afghanistan, wovor Moskau die afghanischen Kommunisten mehrfach warnte. Im März 1979 stellte sich eine Division der afghanischen Armee öffentlich gegen die Regierung. Sie verteilten Waffen unter der Bevölkerung.

Nach fünf Tagen heftiger Kämpfe gegen Regierungstruppen mit 30.000 Toten flüchteten die Aufständischen und zogen sich schwer bewaffnet in die Gebirge zurück. Die afghanische Regierung war alarmiert und bat die Sowjetunion um militärische Unterstützung, was Moskau jedoch aus Imagegründen zunächst ablehnte. Der Vorschlag Kabuls, ausländische Rotarmisten, hauptsächlich Tadschiken und Usbeken, in afghanischer Uniform nach Afghanistan zu entsenden, überzeugte die Sowjets dann letztendlich.

Derweil breitete sich der Widerstand in Afghanistan immer weiter aus, bis an die Grenze des US-Verbündeten Pakistan. Pakistan wandte sich Mitte 1979 an die CIA und bat um Unterstützung aufgrund der Situation im Nachbarland. Diese reagierte prompt, kurz später unterzeichnete US-Präsident Jimmy Carter eine Resolution zur Unterstützung der afghanischen Mudschaheddin.

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Machtwechsel in Kabul

In mehreren Städten Afghanistans brachen Bürgerkriege aus. Gleichzeitig gab es innerhalb der regierenden Partei in Kabul einen blutigen Machtwechsel, von nun an regierte Hafizullah Amin das Land. Dieser ging rigoros gegen alle politischen Widersacher in seiner Partei vor. Die Sowjets vermuteten aufgrund verschiedener Indizien, Amin sei ein Agent der USA. Dafür ließ sich jedoch kein Beweis finden.

Mitte Dezember 1979 beschlossen der KGB, das Außenministerium und das Verteidigungsministerium in Moskau, den regierenden Präsidenten Amin auszuschalten. Mann wollte Truppen nach Afghanistan entsenden, Amin stürzen und die nachrückenden Parteigenossen unterstützen, „um die Ordnung wieder herzustellen.“ Am 25. Dezember überschritten die ersten sowjetischen Einheiten die Grenze nach Afghanistan. Zunächst schleusten die Sowjets einen Koch ins Regierungsgebäude in Kabul ein, um Amin zu vergiften. Der Koch mischte Gift in das Getränk Amins.

Dabei handelte es sich um das in der Sowjetunion unbekannte Getränk Coca-Cola, was die Wirkung des Giftes neutralisierte, Amin überlebte den Mordversuch. Moskau war darüber sehr erzürnt und beschloss einen direkten Angriff. Sie ließen den Präsidentenpalast bombardieren, wobei Amin ums Leben kam. Hastig durchsuchten sowjetische Soldaten den Palast, um Beweise dafür zu finden, dass Amin ein CIA-Agent war, jedoch ohne Erfolg.

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100.000 Rotarmisten überqueren die Grenze

In der Nacht vom 27. auf den 28. Dezember 1979 überquerten weitere 100.000 Soldaten der Roten Armee die Grenze nach Afghanistan. Das erklärte Ziel war nicht, islamische Aufständische zu bremsen, sondern eine sowjetgetreue Regierung einzusetzen und die außer Kontrolle geratene kommunistische Partei zu mäßigen. Die Folgen waren jedoch unvorhergesehen: Die afghanische Bevölkerung wollte überhaupt keinen Kommunismus mehr haben, zudem reagierten die islamischen Führer sehr empfindlich auf ausländische Eindringlinge und riefen zum Widerstand gegen die Besatzer.

Mit großem Erfolg, die Stimmung kippte gegen die Sowjets. Die USA nutzten die brenzlige Situation der Roten Armee für ihre Zwecke. US-Präsident Jimmy Carter bezeichnete den Angriff in einer TV-Ansprache als „kaltschnäuzigen Verstoß gegen das Völkerrecht“ und als „Versuch einer starken, atheistischen Regierung, ein unabhängiges muslimisches Volk zu unterjochen.“

Westliche und islamische Länder stellten sich innerhalb der Vereinten Nationen gegen die Sowjetunion, die USA begannen mit Sanktionen und sagten neben 65 weiteren Staaten ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen 1980 in Moskau ab. Innerhalb der Sowjetunion wusste man nichts von einem Krieg gegen Afghanistan, da die Presse per Verordnung nur berichten durfte, dass es sich beim Einsatz der Roten Armee um eine „humanitäre Mission“ handelte.

CIA unterstützt die Mudschaheddin

Carter beauftragte die CIA „in Afghanistan tätig zu werden“ und damit die Mudschaheddin militärisch zu unterstützen. Nur fünf Jahre nach dem verheerenden Vietnamkrieg der USA wollte man den Sowjets „ihr eigenes Vietnam“, das „Sovietnam“, bescheren, so Carter-Berater Brezinski dereinst. Zunächst hatte die CIA ein Budget von 10 Millionen Dollar für die Unterstützung der Aufständischen zur Verfügung.

Das Budget wuchs auf 20 Millionen und erhöhte sich in den folgenden Jahren immer mehr. Allerdings liefen alle Aktionen über den pakistanischen Geheimdienst, um die Aktionen der CIA zu verschleiern. Da die Grenzen zwischen Pakistan und Afghanistan geöffnet waren, konnten die von den USA finanzierten Mudschaheddin und pakistanische Agenten ungehindert hin- und herpendeln. Tausende afghanische Flüchtlinge kamen über die Grenze, was dies begünstigte.

Die immer besser ausgerüsteten Mudschaheddin bereiteten der Roten Armee zunehmend Schwierigkeiten. Innerhalb der Sowjetunion setzte sich der Atomphysiker Andrej Sacharow über das Presseverbot hinweg und kritisierte die Einmischung der Roten Armee in die innere Angelegenheiten Afghanistans scharf. Sowjetische Soldaten würden sinnlos ums Leben kommen, verkündete er in einem offenen Brief, wofür er nach Gorki verbannt wurde. Unter den Bürgern der Sowjetunion wuchs der Missmut gegen den Einsatz, als die Runde machte, junge Männer würden als Soldaten nach Afghanistan geschickt und in Särgen wieder zurückkehren.

Totaler Krieg

Die Intervention der Sowjetunion wuchs zu einem totalen Krieg heran, die Anzahl der zivilen Opfer ging in die Zehntausende. Ca. 40.000 afghanische Soldaten, etwa die Hälfte der gesamten Truppen, liefen zu den Mudschaheddin über. Aus vielen anderen Ländern meldeten sich zumeist muslimische Freiwillige, um sich mit den Mudschaheddin zu solidarisieren, darunter der später von den USA für andere Zwecke instrumentalisierte Saudi Osama bin Laden.

Im Jahr 1983 machte US-Präsident Reagan das Eingreifen der USA in den Krieg öffentlich und lud Vertreter der Mudschaheddin ins Weiße Haus ein. „Diese Ehrenmänner sind moralisch gleichzusetzen mit Amerikas Gründungsvätern“, soll er damals gesagt haben.

Er gab an, den Widerstandskämpfern alle Mittel zur Verfügung zu stellen, die sie wünschten. Daraufhin forderte Moskau die Regierung in Kabul dazu auf, antiamerikanische Proteste zu organisieren. Der Krieg zwischen der Sowjetunion und Afghanistan wuchs damit zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West heran.

Michail Gorbatschow

Im Jahr 1985 wurde Michail Gorbatschow der neue Staatssekretär der Sowjetunion und leitete im Zuge der Perestroika zahlreiche wirtschaftliche und politische Reformen ein, auch der Einsatz in Afghanistan sollte umgestaltet werden. Das Presseverbot wurde gelockert, von nun an durfte man über Gefallene und über Heldentaten in Afghanistan berichten.

Bei einem Treffen mit Reagan im Jahr 1985 sprach Gorbatschow von einem Rückzug aus Afghanistan und suchte die Kooperation mit den USA. Die USA hatten jedoch kein Interesse an einer Zusammenarbeit, die Regierung wollte die „Sowjetunion bluten lassen.“ Durch Propaganda war auch die amerikanische Öffentlichkeit zu dieser Einstellung erzogen worden. Das Ziel Washingtons war eine Niederlage der Sowjetunion.

Die USA lieferten daraufhin bis zu 2.000 Boden-Luft-Raketen an die Mudschaheddin, damit diese sowjetische Flugzeuge abschießen konnten. Die ersten Raketen wurden 1986 eingesetzt, insgesamt 1.000 russische Hubschrauber wurden abgeschossen. Moskau setzte eine neue Regierung in Afghanistan ein und startete ein Versöhnungsprogramm für die afghanische Bevölkerung. Man teilte den verschiedenen Lagern mit: „Es ist euer Land, einigt euch selbst“, durch die Blume wurde damit der bevorstehende Abzug der Truppen angekündigt.

Krieg ist nicht zu gewinnen

Der neuen Regierung sagte man auch nach dem Abzug der Roten Armee Unterstützung zu. Gorbatschow empfahl der Regierung in Kabul, den Kontakt zu den religiösen Führern wiederherzustellen. Er nahm auch Kontakt zu Aufständischen auf und versuchte zu verhandeln.

Die USA unterstützten die radikalsten Kräfte unter den Mudschaheddin, um das Vorgehen Gorbatschows zu stören, weshalb die Kämpfe fortgesetzt wurden. Sowjetische Generäle betonten mehrfach, dass der Krieg in Afghanistan nicht zu gewinnen sei und begannen auf eigene Faust, mit afghanischen Kämpfern zu verhandeln. Der Kreml lud zu Friedensverhandlungen in Genf ein, darunter mit Pakistan, der Iran und die USA. Dies war von taktischer Bedeutung für Moskau, damit man den Abzug der Truppen damit begründen konnte, statt sich unfreiwillig von den Mudschaheddin aus dem Land befördern zu lassen. Damit war es offiziell: Die Sowjetunion verlässt Afghanistan.

Die Mudschaheddin wurden zu gefürchteten militärischen und politischen Gegnern der Regierung in Kabul, weshalb man sich in Moskau überreden ließ, während des Truppenabzugs einen Anschlag auf einen einflussreichen Führer der Mudschaheddin, Ahmad Schah Massoud, durchzuführen. Die Generäle, die zuvor bereits selbst mit ihm verhandelt hatten, kritisierten die Entscheidung Moskaus scharf, führten den Anschlag jedoch durch.

Afghanistankrieg ruiniert die Sowjetunion

Im Januar 1989 bombardierten sie Stellungen Massouds und bringen 600 Kämpfer um, Massoud überlebte jedoch. Wissend, dass sich die Rote Armee auf dem Rückzug befand, setzten sich die Afghanen nicht zur Wehr. Für sowjetische Generäle stellte diese letzte Schlacht ein beschämendes Ende des Krieges dar. Am 15. Februar 1989 verließ der letzte sowjetische Soldat das Land. Zwei Jahre später war die Sowjetunion bankrott und brach zusammen. Der Krieg gegen Afghanistan hatte deutlich zum Untergang der Weltmacht beigetragen, sagt man.

In der Sowjetunion wurde der Einsatz weiterhin als „Entsendung eines begrenzten Kontingents“ bezeichnet, im Rest der Welt als Invasion. 1,2 Millionen Afghanen und 15.000 Sowjets kamen in den zehn Jahren des Krieges ums Leben, sechs Millionen Menschen wurden vertrieben, das zuvor fortschrittliche Afghanistan lag in Trümmern. Nach dem Abzug der Roten Armee ging der Bürgerkrieg in die nächste Runde.

1992 wurde die Regierung in Kabul von den Mudschaheddin gestürzt. Im Jahr 1996 übernahmen die aus den Mudschaheddin hervorgegangenen Taliban die Regierung in Kabul und befriedete das Land mit eiserner Faust. Fünf Jahre später drang die nächste Großmacht in das Land ein. Bis heute nehmen die Konflikte in Afghanistan kein Ende, Afghanistan selbst wird seit dem verlustreichen Einmarsch der USA auch „Friedhof der Imperien“ genannt.

Taliban verbreiten US-Propaganda

Washington investierte übrigens Millionen Dollar in die Produktion gewaltverherrlichender Bücher, in denen radikale Ansichten mit zusammenhanglosen Koranversen verschwurbelt wurden. Mit diesen Büchern wurde afghanischen Schulkindern der „Heilige Krieg“ nahe gebracht. Später verwendeten die Taliban dieselben Bücher für die Verbreitung ihrer Ansichten. Kurz gesagt: Die Taliban verbreiteten US-Propaganda.

Die Afghanen haben dies offenbar verstanden, denn so meldete der Guardian 2010: „Es ist fast unmöglich in Afghanistan noch irgendjemanden zu finden, der nicht der Meinung ist, dass die USA die Taliban finanzieren. Und es sind die hochgebildeten afghanischen Akademiker, diejenigen, die von der ISAF, USAID und den internationalen Medienorganisationen beschäftigt werden und sogar US-Diplomaten beraten, die davon am meisten überzeugt scheinen.“

Quellenangaben anzeigen
guardian

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2 Antworten

  1. nagamuto sagt:

    Auch hier sind die Amerikaner für den Tot der afgahnischen Menschen verantwortlich! Mein ganzen Weltbild hat sich seit 2001 geändert. Alles BÖSE, dreckige, heuchlerische und hinterhältige kommt aus diesem verfluchten USA. Unsere Politkasper werden auf irgendeine Weise beeinflusst oder erpresst, um an diesem dreckigen Spiel am Tisch der Psychopathen zu sitzen. Sicherlich hat dies wieder mit Kindern zu tun. Meine WUT steigt stetig an und ich kann nichts dagegen unternehmen, ausser zu versuchen, dass es anderen nicht mitbekommen. Ich liebe amerikanische Filme, auch so einen wie Rambo etc, aber meine Gefühle und Gedanken wenden sich immer mehr dieser Propaganda ab, dass die auserwählte Nation aus Helden besteht oder es dort überhaupt noch heldenhafte Menschen gibt. Es sind für mich raffgieriege , kinderfressende kindervergewaltigende und heuchlerische Bestien, die sich selber einreden sie wäre Teil des Guten. Was für ein Mist

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